ÜBERNAHME VON H. F. MEYER MASCHINENBAU

Drei Partner, eine Mission

07.08.2025 ,

5 Min. Lesedauer

Anfang 2025 haben KHS und Ferrum gemeinsam H. F. Meyer Maschinenbau übernommen. Im Gespräch mit deren Geschäftsführer Christoph Bürgi lernen wir das Unternehmen besser kennen. Wir erfahren, welche Synergieeffekte die drei Partner sich von ihrer Zusammenarbeit versprechen und welche ersten Erfolge bereits erzielt wurden.

Vor fast 180 Jahren in Neustadt in Holstein gegründet, blickt H. F. Meyer Maschinenbau auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück, erklärt Geschäftsführer Christoph Bürgi. Nach fast 11 Jahren bei Ferrum, einem Schweizer Hersteller von Dosenverschließern, leitet er H. F. Meyer seit Januar 2025. Sein Wechsel nach Norddeutschland erfolgte im Zusammenhang mit der gemeinsamen Übernahme des Maschinenbauers durch Ferrum und den Dortmunder Systemanbieter KHS. „Angefangen haben wir als Tabakwarenfabrik. Später folgten Maschinen für die Landwirtschaft, Anlagen für die Petrochemie und die Pharmaindustrie sowie Prüf- und Messmaschinen im Automotive-Bereich.“ Jede der sechs Generationen, die den früheren Familienbetrieb bisher führten, habe die Firma in besonderer Weise geprägt. Ein roter Faden war dabei stets das Thema Dosenhandling – unter anderem für die Lebensmittel- und Getränkebranche. „Zu unseren Kunden gehörte etwa Dosenmilchproduzent Glücksklee, ein Unternehmen, das dem Vater von Karl Lagerfeld gehörte“, berichtet Bürgi. 

Nach fast 11 Jahren bei Ferrum leitet der Schweizer Christoph Bürgi seit Januar 2025 das Unternehmen H. F. Meyer als Geschäftsführer.

Tradition trifft auf Moderne: Der Firmensitz von H. F. Meyer Maschinenbau in Neustadt in Holstein an der Ostseeküste.

Wesentliches Standbein sind heute Maschinen für das Reinigen, Handling und Transportieren von Getränkedosen. „Highlights unseres Sortiments sind außer unserer gesamten Rinsertechnologie – hier insbesondere der HYAERO-Dosenrinser  – beispielsweise die einspurige HYTRANS-Vakuumbrücke mit Laserschutz-Einhausung sowie der vollautomatische HYFLEX-Dosenwender“, erklärt Bürgi. 

Viele der rund 100 Mitarbeiter von H. F. Meyer sind seit Jahrzehnten im Betrieb, so auch der stellvertretende Fertigungsleiter Matthias Hüttmann.

Der HYAERO Vakuumrinser saugt Dosen mittels Vakuum an eine gelochte Transportkette an und spült sie nach einer 180° Drehung mit ionisierter Luft oder Wasser aus.

Höhere Effizienz in der 
Dosenabfüllung

Beim Rinser HYAERO in der waagerechten Ausführung handele es sich um eine echte Innovation, betont er: „Die Dosen laufen ohne Höhenversatz waagerecht durch die Linie hindurch. So reduzieren wir den Fußabdruck in der dritten Dimension. Und anders als bisher werden die Behälter nicht durch das Innere einer Maschine geführt, sondern außen entlang. Das sorgt für hohe Flexibilität bei den Gebindegrößen, ganz ohne Umrüstzeiten.“ Das gleiche gelte in Kombination mit dem HYFLEX Dosenwender: Ohne Nachrüstung ließen sich alle gängigen Dosenformate produzieren. „Mit unseren Lösungen ermöglichen wir unseren Kunden, ihre Effizienz deutlich zu steigern. In diese Richtung wird sich der Dosenmarkt künftig weiterentwickeln.“ 
 
Ein weiteres Highlight sind die HYTRANS-Single-Line- oder Massen-Vakuumbrücken, die Leerdosen ansaugen und befördern. Diese werden für Codierung und Inspektion umgesetzt beziehungsweise ausgeschleust, wenn sie liegen oder deformiert sind.

„Die Geschwindigkeit, mit der wir begonnen haben, Synergien auszuschöpfen, beweist, dass unsere Partner es sehr ernst mit uns meinen.“

Christoph Bürgi

Geschäftsführer, H. F. Meyer Maschinenbau

Sicherheit und Innovation 
machen den Unterschied

Eine Alleinstellung gegenüber dem Wettbewerb sieht Bürgi zum einen in der Sicherheit: „Lasercodiersysteme zum Beispiel können für das menschliche Auge gefährlich sein. Wir nutzen hier ein seit vielen Jahren bewährtes und ausgeklügeltes System. Es entspricht sämtlichen Standards weltweit beziehungsweise übertrifft diese sogar.“ Ein wichtiger Pluspunkt bei H. F. Meyer sei zum anderen die hohe Laufstabilität der Anlagen: „Das Ausschleusen ist hochfunktional. Defekte und liegende Dosen werden zuverlässig erkannt und ausgeschleust.“  Zudem sorge die Innovationskraft des Unternehmens für Unterscheidbarkeit: „Wir entwickeln unsere Produkte laufend weiter – selbst für bestehende Linien. So haben wir etwa eine Filtration entwickelt, um Prozesswasser aufzubereiten. Damit können unsere Kunden ihren Wasserverbrauch beim Rinsen um bis zu 80 Prozent reduzieren.“
 

Flexibilität wird großgeschrieben

Ein weiterer Vorteil sei die Flexibilität: „In unserer Nischenbranche sind wir einer der größten Anbieter“, betont Bürgi. „Deshalb können wir sehr flexibel auf Kundenwünsche eingehen und ein hohes Maß an Individualisierung vornehmen, während kleinere Maschinenbauer darauf angewiesen sind, möglichst viel zu standardisieren.“ Natürlich gebe es innerhalb der individuellen Maschinenkonfigurationen auch bei H. F. Meyer einheitliche Baugruppen. Augenfälliges Beispiel sind die gedrehten Führungen der Dosendrehkörbe. „Auch im Hochleistungsbereich fahren die Behälter mit höchster Geschwindigkeit sehr stabil durch diese Drehkörbe. Damit nichts bremst, hakt oder umfällt, müssen diese hochpräzise gefertigt werden. Dafür braucht man viel Erfahrung und ein grundlegendes Verständnis, wie Dosen sich bewegen und gehändelt werden. Unsere Mitarbeiter haben das regelrecht inhaliert und beherrschen es bis zur Perfektion. Ich denke, da sind wir weltweit auf einem unerreichten Niveau.“

Mit Hilfe eines Drehkorbs werden die Getränkedosen vor dem Einlauf in den Rinser gewendet – selbst bei höchsten Geschwindigkeiten sehr stabil.

Als einer der größten Anbieter in seiner Nischenbranche könne H. F. Meyer flexibel auf Kundenwünsche eingehen und ein hohes Maß an Individualisierung vornehmen, betont Bürgi.

„Hier fließen technisches Know-how, Praxiserfahrung und neue Ideen zusammen, um maßgeschneiderte Lösungen für die Getränkeindustrie zu entwickeln.“

Christoph Bürgi

Geschäftsführer, H. F. Meyer Maschinenbau

Synergien im Netzwerk

Welchen Nutzen sieht der Schweizer für H. F. Meyer in der Zusammenarbeit mit Ferrum und KHS? „Wir profitieren besonders vom internationalen Vertriebs- und Servicenetzwerk unserer Partner. Und wir werden erstmals schon ab Stunde Null in weltweite Projektierungen mit eingebunden. Das gibt uns größere Einflussmöglichkeiten, sorgt für mehr Planungssicherheit und erlaubt uns, unsere Produkte rechtzeitig zu optimieren und unsere Expertise mit einzubringen.“
 

Integration erfolgreich gestartet 

In zahlreichen Gesprächen und Workshops findet bereits ein intensiver Austausch statt. Aus den USA angereiste KHS-Techniker werden in Neustadt geschult. Ersatzteilbestellungen und Serviceanfragen können schon jetzt über KHS Connect erfolgen. „Die Geschwindigkeit, mit der wir begonnen haben, Synergien auszuschöpfen, beweist, dass unsere Partner es sehr ernst mit uns meinen“, freut sich Bürgi. Schließlich wolle man ein virtuelles Kompetenzzentrum für Dosentechnik etablieren, indem die drei Partner ihre gebündelte Expertise zusammenführen.

Faktencheck

H. F. Meyer Maschinenbau

1846 

im schleswig-holsteinischen Neustadt gegründet. Ein weiterer Standort befindet sich in Friedberg-Derching bei Augsburg.

Rund 100 Mitarbeiter, 
viele davon bereits seit Jahrzehnten im Betrieb.

Drei Produktbereiche

• Dosentechnik
• Sondermaschinenbau
• Filtration

2025

Am 1. Januar wird H. F. Meyer Maschinenbau GmbH von Ferrum und KHS gemeinsam übernommen.

WAS?

Globaler Vorreiter bei Rinsertechnologie für Getränkedosen sowie bei Volldosenwendern.

Für die Zukunft gerüstet

„Hier fließen technisches Know-how, Praxiserfahrung und neue Ideen zusammen, um maßgeschneiderte  Lösungen für die Getränkeindustrie zu entwickeln“, stellt der Geschäftsführer fest. Angesichts immer dünner werdender Materialien und den steigenden Ansprüchen an Prozesssicherheit und Effizienz stellt man sich so auf künftige Herausforderungen ein. „Unsere Anlagen überzeugen nicht nur technisch, sondern sind auch ökonomisch und ökologisch zukunftsfähig. Nachhaltigkeit und Energieeinsparungen sind dabei zentrale Themen.“ Das eigentliche Ziel sei es, nicht weniger als die weltbeste Dosenlinie anzubieten – das ist die gemeinsame Mission der drei beteiligten Parteien.
 
Maßgeblich sei, dass die Kunden im Fokus stehen, betont Bürgi. „Unser Anspruch ist, dass sie bei uns ein ganzheitliches Paket aus einer Hand bekommen. Unabhängig davon, ob es um die technische Beratung, die Anlagenauslieferung, Montage und Inbetriebnahme oder um den After-Sales-Bereich geht – wir schaffen ein nahtloses Kundenerlebnis.“

Noch Fragen?

Gaby Herrmann

H. F. Meyer Maschinenbau GmbH & Co. KG, Neustadt in Holstein

+49 4561 39550 Herrmann.Gaby@hfmeyer.de