HIDEO SUZUKI, MANAGING DIRECTOR KHS JAPAN

Halb japanisch, halb deutsch

30.07.2026,

4 Min. Lesedauer

Von Osaka über Weihenstephan bis Tokio: Anders als geplant hat Hideo Suzuki das Erbe seines Vaters angetreten und in fast 25 Jahren KHS Japan aufgebaut. Dabei hat ihm seine Offenheit für andere Mentalitäten und Kulturen ebenso geholfen wie sein aufrichtiges Interesse an Menschen.

In Osaka aufgewachsen, erfährt Hideo Suzuki früh, was es bedeutet, wenn der eigene Vater beruflich extrem gefordert ist. Ted Suzuki ist Unternehmer, der zunächst amerikanische Produkte und später KHS-Maschinen nach Japan importiert und an Getränkehersteller vertreibt. Wenn er nicht auf einer seiner vielen Geschäftsreisen unterwegs ist, telefoniert der Vater häufig bis tief in die Nacht. Seinen Kindern erklärt er das damit, wie viele Freunde er rund um den Globus habe. Und lässt sie glauben, dass sein Job große Abenteuer mit sich bringt. „Geschäftsleute aus aller Welt gingen bei uns zuhause ständig ein und aus. Deshalb interessierte ich mich schon als kleiner Junge für andere Länder und Kulturen", sagt Hideo Suzuki. Da überrascht es wenig, dass sein erster Traumberuf Pilot war.


Biochemie, Bier und Bayern

Als Kaufmann ist sein Vater überzeugt vom Wert technischer Berufe. Zwar möchte er, dass Hideo seinen eigenen Weg einschlägt, eine technische Ausbildung hält er jedoch für unverzichtbar. Nachdem er zunächst an der Tokyo University of Science Biochemie studiert, zieht es ihn nach München. Hier arbeitet er zwölf Monate lang in der traditionsreichen Spaten-Brauerei, bevor er an der Technischen Universität München in Weihenstephan das Braumeister-Diplom erwirbt. 

Vier Jahre Bayern: Das heißt frühe Morgenstunden, kalte Wintertage bei minus 15 Grad und vor allem viele neue Erfahrungen. Aber selbst wenn manches fern der Heimat ungewohnt erscheinen mag, bleibt der Zugereiste offen und neugierig. Und statt sich in die Blase der japanischen Studierenden zu integrieren, sucht er den Kontakt zu Deutschen. Für ihn ist das der einfachste und schnellste Weg, Deutsch – oder vielmehr Bayerisch – zu lernen. Suzuki lacht: „Solange man zusammen Bier trinkt, ist die Verständigung kein Problem.“ 

In Deutschland staunt er gelegentlich darüber, dass einzelne Mitarbeiter spontan in den Urlaub verschwinden und Kollegen einigermaßen ratlos zurücklassen. „In der japanischen Arbeitskultur steht Harmonie immer an erster Stelle: Niemand soll ein Problem haben, wenn ich morgen einen Tag frei habe. Dafür hinterlässt man seinem Team klare Anweisungen, was zu tun ist, und unterrichtet seine Kunden rechtzeitig und transparent.“

„Solange man zusammen Bier trinkt, ist die Verständigung kein Problem.“

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Entscheidung für Japan

Der Einstieg ins Familienunternehmen erfolgt ungeplant: Hideo Suzuki, zurück in Japan, arbeitet inzwischen seit acht Jahren bei Kirin, als sein jüngerer Bruder ihn um Hilfe bittet. Die Kräfte des Vaters, der immer so stark gewirkt hatte, schwinden – in einer Phase grundlegender Veränderungen: Anstelle der bisher unabhängigen lokalen Import- und Vertriebsgesellschaften setzt KHS weltweit zunehmend auf 100-prozentige Tochtergesellschaften. Die Zukunft von Suzuki International scheint im Jahr 2000 plötzlich ungewiss. Hideo entscheidet sich, der Familie, die ihm bisher alles ermöglicht hat, etwas zurückzugeben und übernimmt innerhalb von nur drei Monaten die Geschäftsführung. Zwei Jahre später gründet er die Vertriebsgesellschaft KHS Japan – zunächst parallel zur bisherigen Firma, die den Service verantwortet. Schrittweise gehen alle Funktionen auf das neue Unternehmen über. 


Maschinen wie Schmuckstücke

„Wer in Japan Anlagen verkaufen will, muss auf höchste Ansprüche vorbereitet sein“, betont Suzuki mit Blick auf die Besonderheiten des Marktes. Bevor Branchengrößen wie Suntory oder Asahi eine Investitionsentscheidung treffen, durchleuchten sie jedes erdenkliche technische Detail: Zeichnungen, Prozessabläufe, Designphilosophien – alles wird penibel studiert und analysiert. „Manchmal könnte man meinen, die Kunden wollten ihre Maschine am liebsten selbst bauen", scherzt Suzuki. „Und wird die Anlage schließlich geliefert, darf sie nicht auch nur den kleinsten Kratzer aufweisen.“ In Deutschland verstehe man, dass so etwas keinen Einfluss auf die Funktion hat. Aber in Japan betrachte man eine Maschine wie ein Juwel – und behandele sie entsprechend. 

Wann immer deutsche Kollegen in Japan Produktionslinien besuchen, die dort seit vielen Jahren laufen, trauen sie ihren Augen kaum: „Die Maschinen sehen neuer aus als diejenigen, die sie selbst erst kurz zuvor installiert haben.“ Suzuki selbst hält es eher mit der deutschen Sichtweise: Eine Industrieanlage habe in erster Linie zu funktionieren und ihre Arbeit zu verrichten. „Ich bin eben halb japanisch, halb deutsch“, sagt er augenzwinkernd.

„Aus den Sonderwünschen japanischer Kunden entwickeln sich später häufig globale Standards.“

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Impulsgeber Japan

Ein Gutes habe der Perfektionismus in seinem Land, findet er. Denn dieser treibe Innovationen voran. „Aus den Sonderwünschen meiner Kunden entwickeln sich später häufig globale Standards. Die automatische Höhenverstellung von Abfüllmaschinen beispielsweise – längst selbstverständlich – geht auf einen japanischen Impuls zurück.  


Beziehungen als Kraftquelle

Der heute 63-Jährige engagiert sich in zahlreichen Berufsverbänden – beispielsweise im BierConvent International e.V., einem Netzwerk, das seit 1968 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Braukultur über Grenzen hinweg verbindet. Kein Wunder – hat sein Vater ihn doch früh für den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen sensibilisiert. Außerdem hat er ihm Demut mitgegeben und die Gabe, Situationen aus mehreren Perspektiven zu betrachten, statt sich auf eine einzige Idee festzulegen.

An KHS schätzt Hideo Suzuki vor allem die Menschen: „Wir haben Kollegen auf der ganzen Welt, sodass man sich nie alleingelassen fühlt. Nach einem erfolgreichen Projekt mit Kunden und Kollegen wie mit guten Freunden zusammenzusitzen, ein Bier zu genießen und über die nächsten Ideen zu sprechen – das sind für mich besondere Momente, die mich bis heute immer wieder motivieren.“