In Bochum geboren, ist Ralf Naujoks ein bekennender „Ruhrpottler“. Das frühere Kohlerevier Deutschlands zeichne sich besonders dadurch aus, dass die Menschen hier zusammenhielten wie Pech und Schwefel – ein Wesenszug, der auch für seinen Job unverzichtbar sei. „Teamfähigkeit steht bei uns ganz oben auf der Liste. Dazu gehört insbesondere, dass man Informationen genau aufnehmen und präzise weitergeben kann“, antwortet der 51-jährige Naujoks auf die Frage, was er braucht, um bei KHS im Bereich Packing & Dispatch bestehen zu können.

Wenn es darum geht, die Maschinen und Anlagen des Dortmunder Systemanbieters aus den heimischen Werken an ihren jeweiligen Bestimmungsort in der ganzen Welt zu bringen, sind Naujoks und seine Mannschaft gefragt. In der Dortmunder Zentrale sorgen sie für alle KHS-Standorte weltweit dafür, dass auch wirklich alle Losteile zuverlässig und pünktlich dort ankommen, wo die Monteure darauf warten, die Anlagen zu installieren. Dazu bedarf es zwar auch einiger Improvisationskunst, aber hauptsächlich penibelster Planung selbst minuziösester Details. Bis zu 800 einzelne Komponenten kann eine demontierte Maschine schließlich umfassen – da müssen die Kollegen vor Ort genau wissen, in welchem der bis zu 70 Container und 20 Kisten sie welche Komponente finden, damit die Kunden zum vereinbarten Zeitpunkt ihre Produktion aufnehmen können.

Bevor das jedoch so weit ist, gilt es, eine ganze Reihe von Herausforderungen zu meistern. Aufwändige Verpackungen, die den Anlagen auf ihrer Reise Schutz bieten, müssen koordiniert, Zollpapiere beschafft und der Transport muss organisiert werden. Dazu gehört das Buchen von LKWs und Schiffen sowie – wenn Kunden es besonders eilig haben – von Frachtflugzeugen.

»Oft sind unsere Ladungen so hoch und so breit, dass wir sie nicht ohne weiteres auf die Straße bringen können.«

Ralph Naujoks,
Head of Department Packing & Dispatch

Faszinierende Komplexität

In großen Ausschreibungen werden nicht nur die wirtschaftlichsten Frachtraten ermittelt, sondern auch diejenigen, die die kürzeste Laufzeit zusichern können und das beste Konzept präsentieren. Was Naujoks an seinem Job am meisten fasziniert, ist nämlich die Komplexität, die durch die schiere Größe der Versandgüter bestimmt wird. „Oft sind unsere Ladungen so hoch und so breit, dass wir sie nicht ohne weiteres auf die Straße bringen können“, erklärt er. „Dann müssen für die gesamte Strecke bei allen zuständigen Behörden Genehmigungen eingeholt werden. Und ab einer gewissen Größe begleitet uns sogar die Polizei vom Werk bis zur Autobahn.“ Um sicherzustellen, dass alles passt und dass auf der freigegebenen Route nicht etwa über Nacht eine Baustelle eingerichtet wurde, die den KHS-Konvoi zum Stillstand bringen könnte, wird die gesamte Wegstrecke zuvor von den Transportpartnern abgefahren und überprüft.

Aber alles hat seine Grenzen: bei einer Breite von sieben Metern muss der Transport ohnehin auf Binnenschifffahrtsrouten verlegt werden, um die großen Häfen wie Antwerpen, Rotterdam oder Hamburg zu erreichen, wo die Fracht an internationale Reedereien übergeben wird. Von dort geht es zum Beispiel nach Singapur, in den größten Umschlagshafen der Welt. Hier werden die Schiffsladungen auf kleinere Schiffe verladen, auf denen die Ware an ihre Bestimmungsorte wie zum Beispiel Viet­nam, Thailand oder Indonesien gelangt.

Dabei kann ein Container versehentlich auch schon mal im Hafen stehen bleiben: „Das ist natürlich ein Szenario, vor dem es uns graut, aber zum Glück passiert das äußerst selten“, betont Naujoks. „Um den reibungslosen Umschlag zu kontrollieren, schicken wir Surveyor von unseren Transportversicherern in die Verteilhäfen. Aber schließlich ist es immer wieder beeindruckend zu sehen, wie einwandfrei das komplexe weltweite System der Logistik funktioniert.“

Acht KHS-Großmaschinen mit einem Gewicht von insgesamt 65 Tonnen werden für den Transport nach Entebbe in Uganda in eine Antonov 124 verladen.
Maßarbeit ist auch der LKW-Transport eines 6,35 Meter breiten und 3,15 Meter hohen Füllers von Bad Kreuznach nach Toledo in Spanien.
Präziseste Planung erfordert der Transport im Großraumflieger speziell hinsichtlich der Anschlagpunkte der Maschinen und deren Fixierung im Frachtraum.

 

 

Zwischen Routine und Improvisation

Bei aller Euphorie kann Naujoks jedoch auch auf extreme Erfahrungen zurückblicken: „Das Kurioseste, was ich je erlebt habe, passierte an der Grenze zwischen Polen und Weißrussland, wo wir mit unserem Transport buchstäblich am Zollhäuschen hängen blieben und es erst nach aufwändigem Umbau weiterging.“ Egal ob er mit KHS-Füllern im Ural eingeschneit werde oder es in Kasachstan wegen Tauwetters nicht weitergehe, solche Zwischenfälle ereigneten sich vorzugsweise immer dann, wenn man gar keine Zeit zu verlieren habe.

Sein persönliches Highlight ist die Verladung von KHS-Anlagen in die Antonov 124, mit 90 Tonnen Zuladung eines der größten Frachtflugzeuge der Welt. Mehrfach hat Naujoks das schon organisiert, zuletzt im August 2015, um acht KHS-Großmaschinen nach Entebbe in Uganda zu fliegen. „Bei aller Routine ist das jedes Mal ein außergewöhnliches Erlebnis“, schwärmt er mit glänzenden Augen. Schon die Planung sei diffiziler und müsse noch präziser erfolgen als sonst: „Jedes Kilo zu viel oder zu wenig hat Einfluss auf die Fluglage des Flugzeugs, und wir müssen uns genau überlegen, wo die Anschlagpunkte unserer Maschinen sind, an denen das Bordpersonal sie mit Ketten im Frachtraum fixiert.“

»Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie einwandfrei das komplexe welt­weite System der Logistik funktioniert.«

Naujoks war bisher jedes Mal bei der Beladung vor Ort dabei, um sich beim Blick über die Schulter der ­Airline-Mitarbeiter zu vergewissern, „dass unsere ­Anlagen die Behandlung erfahren, die sie verdienen“. Angesichts der Kosten des Transports, die sich zwischen 500.000 und 750.000 US-Dollar bewegen, ist er dann jedes Mal froh und erleichtert, wenn der gewaltige Flieger abhebt und endlich klar ist, dass die KHS-Maschinen wirklich schon einen Tag später am Zielort eintreffen – meist in Anwesenheit der Kunden, die dann genauso begeistert sind wie Naujoks.

Privat betätigt sich der Logistiker aus Leidenschaft, der von sich selbst sagt, dass er über starke Nerven und einen kühlen Kopf verfügt, gerne sportlich – am liebsten beim Skifahren im Winterurlaub. Die Frage, wer zu Hause wohl die Koffer packt, hat Naujoks offenbar nicht erwartet. Er stutzt kurz und bekennt dann lachend: „Bei dieser logistischen Herausforderung kann ich meiner Frau das Wasser nicht reichen.“

Ihr Ansprechpartner zum Thema

Ralf Naujoks
Head of Department Packing & Dispatch
KHS GmbH, Dortmund

Telefon: +49 (0)231 569-1898
E-Mail: ralf.naujoks@khs.com