Grüner Wasserstoff wird wahr
Wer bewegt sich zuerst: Abnehmer oder Erzeuger? An dieser Frage hängt der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Dieses Dilemma lösen Salzgitter Flachstahl und EWE mit einem wegweisenden Großabnahmevertrag auf: Ab 2030 fließen jährlich 10.000 Tonnen in die nahezu klimaneutrale Stahlproduktion.
Es ist eine Premiere in doppelter Hinsicht: Salzgitter Flachstahl, Tochterunternehmen der KHS-Konzernmutter Salzgitter AG, und der Energiedienstleister EWE haben in Berlin eine langfristige Liefervereinbarung über grünen Wasserstoff unterzeichnet. Für EWE ist es der erste Großabnahmevertrag aus der 320-Megawatt-Erzeugungsanlage in Emden – für die Salzgitter AG der erste Großvertrag mit einem Wasserstofflieferanten überhaupt. Ab 2030 fließen jährlich rund 10.000 Tonnen nach Salzgitter.
Der Schlüssel für SALCOS®
Eingesetzt werden soll der grüne Wasserstoff für SALCOS® – Salzgitter Low CO2 Steelmaking. Zwar kann der Betrieb einer Direktreduktionsanlage mit Erdgas die CO2-Emissionen gegenüber der Kohle-Koks-Hochofenroute um 60 Prozent senken. Das langfristige Ziel einer nahezu klimaneutralen Stahlproduktion ist jedoch ausschließlich mit grünem Wasserstoff zu erreichen. Bis zu 150.000 Tonnen kann die Anlage jährlich aufnehmen; rund 6,5 Prozent dieses Bedarfs deckt der EWE-Vertrag. Knapp 9.000 Tonnen wird die Salzgitter AG künftig in einer eigenen 100-MW-Elektrolyseanlage auf ihrem Hüttengelände selbst herstellen.
„Dieser Abschluss verbindet Erzeugung, das künftige H2-Kernnetz und industrielle Nachfrage erstmals im großen Stil“, sagt Gunnar Groebler, CEO der Salzgitter AG. „Der Vertrag mit EWE stärkt unsere Rolle als Frontrunner der Transformation in der Stahlindustrie.“
„Mit diesem Vertrag setzen wir ein starkes Signal für den Hochlauf der deutschen Wasserstoffwirtschaft und sichern ab 2030 einen essenziellen Baustein für SALCOS®.“
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CEO der Salzgitter AG
Rückenwind für den Markt
Beide Partner gehen hier voran, bevor die Wasserstoffwirtschaft vollständig etabliert ist. Damit aus einzelnen Projekten ein tragfähiger Markt wird, müssen verlässliche und wirtschaftlich belastbare Rahmenbedingungen geschaffen werden: Wettbewerbsfähige Strompreise, praktikable Regeln für grünen Wasserstoff (RFNBO1) sowie Leitmärkte, die Investitionen in großtechnische Speicher und Infrastruktur ermöglichen. Gemeinsam setzt man sich deshalb etwa für längere Übergangsfristen und flexiblere Stromvorgaben ein.
„Ohne erste Lieferverträge wird sich keine deutsche Wasserstoffwirtschaft entwickeln“, mahnt Groebler – andernfalls bleibe dieser Vertrag eine Ausnahme. Auch EWE-CEO Stefan Dohler sieht den Markt erst am Anfang: „Dieser Vertrag ist ein Meilenstein, aber noch nicht das Ziel.“
1. RFNBO = Renewable Fuels of Non-Biological Origin (Erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs)