Höchstleistung – auch in der Werbung. Unfreiwilliges Ablenkungsmanöver.
Privatmuseum – Sammlerstücke aus dem früheren Ostblock
Dortmunder Familiensaga - Arbeiten im „Mehrgenerationenunternehmen“: Claudia, Thomas und Sascha (Sohn) Döhring

Höchstleistung - auch in der Werbung

Unfreiwilliges Ablenkungsmanöver

Zu Beginn der freizügigen Siebzigerjahre lässt Seitz anlässlich einer Messe in Paris leicht bekleidete junge Damen mit hohenLackstiefeln in seiner Plakat- und Anzeigenwerbung antreten und lustvoll mit innovativer Technik interagieren. Was damals in der Werbung aller Branchen gang und gäbe war, löst heute, fast fünfzig Jahre später und im Zeichen von Emanzipation, Gender-Mainstreaming und #MeToo-Debatte, zu Recht Befremden aus.

Noch bis in die Neunziger spielten solche Darstellungen in der Werbung eine gewisse Rolle – immer öfter auch mit sexualisierten Männerimages, die sich speziell an ein weibliches Publikum richteten. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass Sex-Appeal im Marketing die Aufmerksamkeit vor allem bei Männern zwar erhöht, die Wahrnehmung und bewusste Verarbeitung des beworbenen Produkts jedoch erschwert. In diesem Fall war das besonders schade, handelte es sich bei der präsentierten Maschine doch um einen brandneuen Hochleistungsfüller, der bis zu 80.000 0,5-Liter-Flaschen pro Stunde verarbeiten konnte und sich im Baukastensystem an alle betrieblichen Gegebenheiten anpassen ließ.

Privatmuseum

Sammlerstücke aus dem früheren Ostblock

Wer fast 50 Jahre in einem Unternehmen gearbeitet hat, blickt nicht nur auf viele Erinnerungen zurück, sondern kann oft auch eine Vielzahl an Erinnerungsstücken vorweisen. Das gilt in besonderem Maß für Reinhold Beisiegel, der von 1943 bis 1990 bei den Seitz-Werken beschäftigt war. Nach seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser war er vor allem in Osteuropa und der damaligen UdSSR unterwegs, erst als Monteur und Richtmeister, ab 1968 als Montageinspektor.

In den Sechzigern ist er der erste seiner Kollegen, der zur ­Montage nach Moskau reist. Dreieinhalb Monate verbringt er dort ohne telefonischen Kontakt zur Familie; zu einer Zeit, als ­Briefe noch drei Wochen brauchen, um ihren Empfänger zu erreichen. Auch wenn Beisiegel damals noch die Sprachkenntnis fehlt, sind es vor allem die Begegnungen mit Menschen, die er bei diesem und vielen weiteren Aufenthalten in Russland, Georgien, Bulgarien oder Jugoslawien „mitnimmt“ – sowie zahl­lose Souvenirs, mit denen der 89-Jährige sich auch heute noch sehr gerne umgibt.

Dortmunder Familiensaga

Arbeiten im „Mehrgenerationen-Unternehmen“

Seit 1981 sind Claudia und Thomas Döhring in Dortmund beschäftigt; zunächst bei Holstein & Kappert, später bei KHS. ­Während der Ausbildung – sie zur Technischen Zeichnerin, er zum Dreher – lernen sie sich kennen und lieben. Seit 32 Jahren sind die begeisterten Motorradfahrer inzwischen verheiratet. Ihr Sohn Sascha und Malena, „seine Zukünftige“, repräsentieren bereits die vierte Generation der Döhrings im Unternehmen. Zu den insgesamt zwölf Familienmitgliedern, die hier zusammen weit über 200 Jahre gearbeitet haben, zählen auch die zwei Großmütter Thomas Döhrings, die während des Zweiten Weltkriegs Bombenspitzen drehen mussten – sozusagen als Ver­tretung für ihre an der Front kämpfenden Ehemänner.

Ihren verzweigten Stammbaum findet Claudia Döhring selbst jedenfalls keineswegs ungewöhnlich: „Das war eben damals so. Von insgesamt 200 Auszubildenden gab es tatsächlich nur einen, von dem kein Elternteil in der Firma gearbeitet hat.“ Eigentlich hatte Döhring zwar Modezeichnerin werden wollen, aber als ihr Vater meinte, dass sie Zeichnen ja auch „bei uns“ lernen könne, zögerte sie nicht lange – und hat diesen Schritt nie bereut.