Bis weit in die Fünfzigerjahre war die von Holstein & Kappert entwickelte Novissima die Standardmaschine für die Flaschenreinigung schlechthin - auch für Cola-Getränke.

Die zweiten fünfzig Jahre

Flaschenreinigungs-Maschine „Novissima“

Anfang der Zwanzigerjahre wird bei Holstein & Kappert die Novissima entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Flaschenreinigungsmaschine, die über drei oder vier Trommeln verfügt, in denen die Flaschen nicht nur mit kaltem und warmem Wasser ausgespritzt, sondern auch in Lauge geweicht werden. Die Prototypen zeigen noch Kinderkrankheiten: Hebelverschlüsse von Mineralwasserflaschen werden abgerissen, was den Wettbewerber Seitz dazu veranlasst, die neue Maschine abfällig als „Flaschenbrechmaschine“ zu bezeichnen.

Nachdem die ersten technischen Probleme behoben sind, setzt sich das Prinzip der Novissima jedoch schnell im Markt durch. Die Maschine, die anfangs für 32.000 Mark zu haben ist, wird rasch zu einem echten Erfolgsmodell, das über dreißig Jahre lang eine der meistverkauften H&K-Anlagen bleiben wird. So sehr entwickelt sie sich zum Synonym für den Dortmunder Maschinenbauer, dass immer wieder Briefe aus aller Welt bei der „Firma Novissima“ am Sitz von H&K in der Juchostraße eingehen.

In den Jahren von 1926 bis 1930 boomt die Getränkeindustrie. Davon profitieren besonders auch die Kellereimaschinenhersteller: Der Umsatz von H&K legt jedes Jahr kräftig zu, und allein von der Novissima werden in dieser Zeit rund 220 Exemplare ausgeliefert – viele davon ins Ausland. Speziell für die sich gerade rasant aus­breitenden Cola-Getränke wird die Novissima auf Jahre hin zur erklärten Standard-Flaschenreinigungsmaschine.

Im Coca-Cola-Abfüllbetrieb Erfrig Ruhr-Ost in Dortmund bekommt 1965 die neue H&K-Flaschenreinigungsmaschine Omega Super DE mit einer Leistung von 12.000 Flaschen pro Stunde einiges zu tun.

Die zweiten fünfzig Jahre

Das Wirtschaftswunder bei H&K,
Seitz und Enzinger

Die Nachkriegsjahre waren auch im Maschinenbau eine Zeit des Wiederaufbaus: Kriegsschäden mussten beseitigt und Produktionsmöglichkeiten wiederhergestellt werden, um an die Erfolge der Dreißigerjahre anknüpfen zu können. Das galt auch für H&K in Dortmund, Seitz in Bad Kreuznach und Enzinger in Berlin, Mannheim und Worms. Die Marktbedingungen waren günstig: Flaschenbier und Erfrischungsgetränke boomten und bescherten den Unternehmen volle Auftragsbücher.

Als besonders hilfreich erwies sich an allen Standorten der Fokus auf eine qualifizierte Ausbildung zur Gewinnung von spezialisierten Fachkräften, aber auch die Unterstützung durch Gastarbeiter aus Spanien, Italien und anderen südeuropäischen Ländern.

Von zentraler Bedeutung war es, mit dem technischen Wandel Schritt zu halten: Bei H&K hieß das, ein ganz neues Konzept für Flaschenreinigungsmaschinen zu entwickeln. Die Novissima, die seit den Zwanzigerjahren als Trommelmaschine im Prinzip unverändert gebaut und verkauft worden war, wurde durch die Omega abgelöst, eine innovative Kettenmaschine. Enzinger fand mit seinem erweiterten Maschinenangebot, zu dem Flaschenreinigungsmaschinen der Sterila-Serie sowie Polyp-Flaschenaus- und -einpackmaschinen gehörten, zur alten Weltgeltung zurück. Seitz schließlich stellte sich vom bisherigen „Meisterbetrieb“ auf eine moderne Großserienfertigung um, was dem Unternehmen einen sprunghaften Anstieg der Verkaufszahlen und des Umsatzes bescherte.

Allen Unternehmen gemein war schließlich die Notwendigkeit, sich auch organisatorisch den gewachsenen Anforderungen anzupassen, sei es durch Methoden zur Datenverarbeitung oder durch Schaffung eigener, weltweiter Vertriebs- und Servicestrukturen.

Bereits 1962 erwirbt Holstein & Kappert Anteile an einer brasilianischen Maschinenfabrik, um seine Position im lateinamerikanischen Markt zu stärken.

Die dritten fünfzig Jahre

Internationale Aktivitäten von KHS

Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert suchen und finden die Vorgängerunternehmen von KHS Absatzchancen jenseits der deutschen Grenzen: Lorenz Adalbert Enzinger zum Beispiel präsentiert sich bereits 1893 auf der Weltausstellung in Chicago, wo er Auszeichnungen und Anerkennung erntet. 1912 erwirbt sein Unternehmen eine Maschinenfabrik in Prag, um den Markt in Österreich und Ungarn zu bearbeiten. Anfang der Dreißiger wird in der Nähe von Buffalo in den USA mit der Enzinger-Union-Corporation die erste ­amerikanische Vertretung gegründet.

Nachdem im Zweiten Weltkrieg das internationale Geschäft deutscher Maschinenbauer weitgehend zum Erliegen kommt, sorgen das Wirtschaftswunder und die sprichwörtliche „Made in Germany“-Qualität für ein schnelles Comeback auf der Weltbühne: Bei den Seitz-Werken steigt der Exportanteil von 37 Prozent im Jahr 1950 innerhalb von 20 Jahren auf über 50 Prozent – nicht zuletzt dank ausländischer Tochtergesellschaften in Frankreich, Italien, Österreich, Spanien und den USA sowie weltweiten Generalvertretungen mit eigenen Ersatzteillagern. Seit 1962 produziert Holstein & Kappert im eigenen Werk in São Paulo, Brasilien, 1971 gefolgt von einer eigenen Produktionsstätte in New Berlin (Wisconsin) in den USA.

Heute unterhält KHS Werke in den USA, Mexiko, Brasilien, Indien und China und ist in allen relevanten Märkten weltweit mit eigenen Vertriebs- und Service-Niederlassungen vertreten. Längst gilt der Name KHS rund um den Globus als Synonym für leistungsfähige Abfüll- und Verpackungslösungen in der Getränkeindustrie.