Anlässlich der letzten drinktec präsentierte KHS das ­Nature MultiPack™, das PET-Flaschen statt mit einer Schrumpffolie nur durch Klebepunkte zu einem stabilen, aber leicht aufzulösenden Pack verbindet. Diese für den Käufer und den Verbraucher attraktive und praktische Lösung spart sowohl Material als auch Verpackungsmüll und eröffnet neue Marketingperspektiven. Als erster ­Getränkehersteller hat Danone Waters das neue System für die Marke Evian adaptiert und zu einer Erfolgsgeschichte gemacht.

Nun bietet KHS diese Innovation erstmals auch für Getränkedosen an: Auf der aktuellen drinktec wird die erste Maschine vorgestellt, gebaut für die Carlsberg Group, wo sie im ersten Quartal 2018 die Produktion aufnehmen wird. In das Projekt sind zahlreiche Ideen und Erkenntnisse der dänischen Brauereigruppe eingeflossen, die diese aus ihren Märkten schöpft. Denn Kunden­orientierung ist für den Branchenriesen ein wichtiger Treiber für Innovationen: „Neuentwicklungen bei Produkten und deren Verpackung sind bei Carlsberg kein Selbstzweck, sondern immer auf den Kunden fokussiert“, sagt ­Myriam Shingleton, Vice President Product Development bei der Carlsberg Group. „Wir investieren in die Marktforschung, um herauszufinden, wie der Konsument denkt und welche Anforderungen er hat.“ Entsprechend passt Carlsberg seine mit innovativen Projekten gut gefüllte Pipeline laufend an. „Wir wollen zeigen, dass wir mutig genug sind, auch Gewagtes auszuprobieren, solange es den Käufern unserer Produkte zugutekommt“, fasst Shingleton zusammen. Naturgemäß wird dem Thema Verpackung dabei große Aufmerksamkeit geschenkt – stellt sie doch den ersten Kontakt des Käufers mit dem Produkt dar. Carlsberg testet deshalb sorgfältig, ob eine Verpackungsinnovation hält, was sie verspricht, ob sie funktioniert, sicher ist und vom Kunden akzeptiert wird.

Vielfältige Verbraucherbedürfnisse

Shingleton erklärt, was Konsumenten von Getränkeverpackungen erwarten: „Eine Verpackung muss in erster Linie zweckmäßig sein. Das bedeutet, dass unser Produkt gut aufzufinden und zu identifizieren, leicht zu tragen und auszupacken beziehungsweise auseinanderzunehmen ist. Und der Verpackungsabfall soll bequem zu entsorgen sein.“ Alle diese Anforderungen sieht sie im Nature MultiPack™ für Getränkedosen erfüllt. Das ist jedoch nicht alles: Zunehmend wichtig finden Verbraucher besonders das Thema Nachhaltigkeit. Das hat auch der viertgrößte Brauereikonzern der Welt festgestellt, der sich als Teil seiner mittelfristigen Strategie vorgenommen hat, einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen und die Ressourcen unseres Planeten zu schonen. „Wenn wir den CO2-Fußabdruck unserer Produkte reduzieren, ist das nicht nur für uns und unsere Philosophie stimmig, sondern auch für unsere Kunden“, betont Shingleton. Neben den Convenience- und Umweltaspekten verspricht sich Carlsberg vom Nature MultiPack™ auch Auftrieb für sein Marketing: Außer mit dem unübersehbaren Reiz, den die Botschaft einer Weltneuheit im Verpackungssektor im Markt hat, punktet das neue Pack damit, dass die Dosen präzise ausgerichtet werden können. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten am Point of Sale, wo beispielsweise ein Billboard-Effekt dadurch entsteht, dass sich verschiedene, genau ausgerichtete Teilansichten der Dose nebeneinander zu einem ganz neuen und größeren Gesamtbild zusammenfügen.

»Wir bereichern uns gegenseitig mit unserem Wissen und kommen so schneller und effektiver zu ganz neuen Lösungen.«

Partner für Verpackungsinnovationen

Zu den Projekten, die man verfolgt, gehört neben ­Nature MultiPack™ auch die Direktdrucklösung Direct Print ­Powered by KHS™ – ebenfalls in Kooperation mit NMP ­Systems, einer hundertprozentigen Tochter des Dortmunder Systemanbieters, die für die globale Vermarktung der von KHS entwickelten innovativen, nachhaltigen und zukunftsweisenden Verpackungslösungen zuständig ist. Dieses Verfahren erlaubt den sofortigen Dekorationswechsel und eine Personali­sierung von Getränkebehältern mittels Digitaldruck. Darüber hinaus widmet Carlsberg sich zum Beispiel der Green Fiber Bottle, einer Flasche, die aus Naturfasern hergestellt wird und vollständig biologisch abbaubar ist. „Die Strategie von Carlsberg ist es, sich mit kompetenten Partnern aus der Verpackungsindustrie zu vernetzen“, beschreibt Myriam Shingleton den Weg, den Carlsberg beschreitet. „Wir bereichern uns gegenseitig mit unserem Wissen und kommen so schneller und effektiver zu ganz neuen Lösungen.“

Klar, dass dieses Vorgehen großes Vertrauen auf beiden Seiten ­erfordert. Norbert Pastoors, zugleich Executive Vice President ­Packaging bei KHS und Managing Director der NMP Systems, schildert seine Sicht der Dinge: „Um solch eine Innovation zu einem weltweiten Erfolg zu machen, brauchen auch wir einen starken Partner. Mit Carlsberg arbeiten wir seit vielen Jahren intensiv zusammen – transparent, konstruktiv und offen für neue Ideen. Als Verpackungshersteller profitieren wir von der profunden Kenntnis des Marktes und der Konsumentenbedürfnisse, mit denen sich Carlsberg in den Entwicklungsprozess einbringt.“

»Um eine Innovation wie das Nature MultiPack™ für Dosen zu einem weltweiten Erfolg zu machen, brauchen wir einen starken Partner wie Carlsberg.«

Anspruchsvoller Entwicklungsprozess

Zu dessen Herausforderungen gehörte insbesondere die Entwicklung des Klebstoffs, der die gefüllten Dosen mit nur wenigen Klebepunkten zu einem transportstabilen Pack zusammenfügt, das sich mit einem Handgriff einfach wieder lösen lässt. „Was einfach aussieht, ist das Ergebnis einer langen Reise“, charakterisiert Pastoors den komplexen Entwicklungsprozess. „So konfrontiert uns die Dose mit einer ganz anderen Oberfläche als die PET-Flasche zuvor. Da bedarf es eines Klebstoffs, der auf der Druckfarbe und dem Lack der Dose funktioniert, ohne diese anzugreifen.“ Getestet wurde etwa, wie der Verband stabil genug gemacht werden kann, um das Stapeln und Palettieren sowie alle logistischen Anforderungen unbeschadet zu überstehen. Die Erfahrungen und Parameter, die dabei gesammelt wurden, definieren den Rahmen der Anwendung des Nature MultiPack™ durch die potenziellen Kunden. Dazu gehören etwa der Temperaturbereich, in dem das neue Pack zum Einsatz kommt, oder die Forderung nach einer trockenen und silikonfreien Umgebung, die das System erfordert.

Seit Dezember 2014 schon ist NMP Systems mit Carlsberg über das Nature MultiPack™ im Gespräch, und im Sommer 2016 startete die Brauerei die ersten Verbrauchertests. Zwei wichtige Erkenntnisse aus den Studien flossen in die Entwicklungsarbeit ein: Zum einen musste ein Tragegriff angebracht werden, damit Konsumenten das Pack auch ohne Schrumpffolie als solches erkennen und bequem tragen können. Und zum anderen mussten die Packs – anders als zunächst geplant – doppelreihig ausgeführt werden, weil das dem Kunden als Standardformat für Bierdosen-Packs vertraut ist. Beide Optimierungen hat NMP Systems aufgenommen und umgesetzt – eindrucksvoller Beweis für die gute Partnerschaft zwischen Entwickler und Anwender.

Darüber hinaus zeigte die Marktforschung, dass der Umgang mit der neuen Packungsform richtig erklärt werden muss. „Wie bei jeder Innovation, die wir im Markt einführen, müssen wir darüber informieren, wie diese funktioniert“, beschreibt Myriam Shingleton die zentrale Herausforderung an das Marketing. „Es ist ein wichtiger Teil des Erfolgs der neuen Verpackung, dass wir vermitteln, wie sie funktioniert und wie man sie auseinandernimmt.“ Für sie selbst sei das ganz einfach, weil sie sich seit über zwei Jahren damit beschäftige. Für einen Konsumenten aber, der das Pack das erste Mal sehe, sei es etwas ganz Neues, damit umzugehen.

Außer für Bier ist das neue Nature MultiPack™ für ­Dosen auch für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke geeignet – ebenso aber für Anwendungen außerhalb der Getränkebranche: „Zum Beispiel bei Spraydosen ­sehen wir ein großes Potenzial“, freut sich Norbert Pastoors, um zugleich zu betonen, dass man sich im ersten Schritt auf die Getränkeindustrie fokussiere und zunächst darauf vertraue, dass die anderen Märkte auf die Innovation aufmerksam würden und damit Nachfrage entstehe. Carlsberg jedenfalls hat sich schon eine Option auf eine zweite Maschine gesichert, und Pastoors ist optimistisch, 2018 auch eine dritte – dann bei einem anderen Kunden – in Betrieb nehmen zu können.

Ihr Ansprechpartner zum Thema

Norbert Pastoors
Managing Director
NMP Systems GmbH, Düsseldorf

Telefon: +49 (0)2821 503-470
 E-Mail: norbert.pastoors@khs.com