1971 als KHS-Vertriebsorganisation in New Berlin, Wisconsin, gegründet, ist die KHS USA Inc. heute eines der erfolgreichsten Tochterunternehmen der KHS GmbH und realisiert etwa 12,5 Prozent des weltweiten KHS-Umsatzes. Beschäftigt sind bei KHS USA derzeit 375 Mitarbeiter in den Bereichen Produktion, Vertrieb und Service. Produziert wird an den beiden Standorten Waukesha, Wisconsin, und Sarasota, Florida. Wie sich die KHS-Erfolgsgeschichte in den USA entwickelte, wo die Getränkeindustrie hier die ganz besonderen Stärken von KHS sieht, welche Zukunftsvisionen KHS für den US-Markt hat und was für Trendbewegungen es dabei zu berücksichtigen gilt – zu allen diesen und zahlreichen weiteren wesentlichen Aspekten steht Georg Zuzok, Leiter Market Zone Americas der KHS GmbH, in nachfolgendem Interview Rede und Antwort.

Herr Zuzok, bitte gehen Sie zunächst etwas genauer auf die Entwicklung von KHS USA ein.

KHS USA ist seit 1971 aktiv und gehörte mit Brasilien zu den ersten KHS-Tochtergesellschaften. Bis 1973 agierten wir in New Berlin, Wisconsin, mit einem reinen Vertriebsbüro, dann starteten wir mit der Maschinenproduktion. Als 1978 ein Standortwechsel von New Berlin nach Waukesha, Wisconsin, stattfand, hatte sich der Absatz von KHS-Maschinen im Markt bereits verdoppelt. In Waukesha erwarben wir vorausschauend ein Gelände von ca. 53.000 m2, auf dem sich heute fünf Gebäude mit einer Gesamtfläche von etwa 16.000 m2 befinden. Wie ehemals, so produziert das Werk Waukesha auch heute insbesondere Füllmaschinen und Prozesstechnik für die Getränkeindustrie. 2003 gingen wir mit dem Erwerb des Pouchmaschinen-Herstellers Bartelt, Sarasota, einen weiteren wesentlichen Schritt und führten eine auf den nordamerikanischen Markt fokussierte Portfolioerweiterung durch. In Sarasota produzieren wir auf einer Fläche von ca. 9.300 m2 und verfügen über ein Gelände von knapp 28.000 m2. Betrachtet man die Position von KHS USA innerhalb der Getränkebranche, stehen wir unter den Lieferanten von Abfüll- und Verpackungstechnik derzeit auf Rang zwei und halten einen Marktanteil von ca. 35 Prozent, wobei wir uns der Nummer eins im letzten Jahr stark genähert haben.

Sie sprechen von der Produktion von Füllern und Prozess­technik in Waukesha. Werden von den Getränke­herstellern in den USA vor allem diese technischen Lösungen nachgefragt?

Das ist in der Tat so. Momentan verfügen wir beispielsweise alleine bei Füllern über eine Installed Base von etwa 500 Stück und vom KHS-Gesamtumsatz in den USA entfallen 60 Prozent auf den Bereich Füll- und Prozesstechnik.

Das lässt auch den Rückschluss zu, dass in den USA vorwiegend Einzelmaschinen geordert werden.

Die USA sind ein klassischer Einzelmaschinenmarkt, das ist traditionell bedingt. Seit einigen Jahren verändert sich das Verhalten der Getränkehersteller in den USA allerdings und KHS wird mit seiner umfassenden Turnkey-Anlagenkompetenz auch hier immer stärker gefordert. Vor allem Global Player, die bereits in anderen Teilen der Welt sehr gute Erfahrungen mit der KHS-Turnkey-Performance sammeln konnten, entscheiden sich mehr und mehr für diesen Weg.

»Seit etwa zwei Jahren verändert sich das Verhalten der Getränke­hersteller in den USA und KHS wird mit seiner umfassenden Turnkey-Anlagenkompetenz auch hier immer stärker gefordert.«

Wie genau gestaltet sich die Vorgehensweise KHS-intern, wenn ein Getränkeproduzent in den USA KHS-Turnkey-Anlagentechnik ordern möchte?

Ganz genauso wie überall auf der Welt. Unsere Spezialisten beraten direkt vor Ort, klopfen Anforderungen an eine gewünschte neue Linie bis ins letzte Detail ab und entwerfen schließlich die auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Kunden hin maßgeschneiderte Linie, die KHS nach ihrer Fertigstellung installiert und in Betrieb nimmt. Weil wir davon ausgehen, dass in den USA künftig mehr und mehr Turnkey-Linien geordert werden, planen wir in naher Zukunft auch die Produktion von Pack- und Palettiertechnik in Waukesha. Generell gilt, dass wir sowohl was die technischen Lösungen als auch was die Prozess- und Auftragssteuerung, die Fertigungs- und Vertriebsstrategien und vieles andere mehr angeht, eine weltweit einheitliche Vorgehensweise haben, nach der wir in den USA mit den gleichen strategischen Grundsätzen handeln.

Wird diese einheitliche Vorgehensweise in den USA denn positiv wahrgenommen?

In jedem Fall. KHS gilt hier als traditionsreicher Maschinenproduzent, der über einen großen Erfahrungsschatz verfügt, von dem die US-Getränkebranche natürlich so stark wie möglich profitieren möchte. Unser Unternehmen steht hier für zuverlässigen Maschinenbau mit starkem Fokus auf lokale Fertigungen. Zudem punkten wir bei unseren Kunden durch unsere besonders starke Präsenz in unseren beiden Werken in Waukesha, Wisconsin (Prozess- und Fülltechnik), und Sarasota, Florida (Pouchmaschinen), die einen perfekten Service mit einschließt.

Mit welchen Serviceleistungen wartet KHS USA konkret auf?

Wir verfügen über einen sehr großen Lagerbestand an Ersatz- und Verschleißteilen, sind für unsere Kunden an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr erreichbar und bieten auch den 24/7-Lieferservice. Für KHS USA sind 70 Serviceingenieure permanent im Einsatz. Selbstverständlich zählen zu unserem Serviceangebot auch Trainingsmaßnahmen, Linienoptimierungen, Umbauten und Upgrades, Online-Services und vieles mehr.

»Für KHS USA sind 70 Service­ingenieure permanent im Einsatz. So kann sich jeder Kunde sicher sein, dass er im Servicefall eine besonders schnelle Vor-Ort-Hilfe erhält.«

Bislang werden in den USA neben Füll- und Prozesstechnik auch Pouchmaschinen produziert. Da liegt es nahe, dass zu diesen Maschinen umfassendes Know-how gegeben ist. Wie steht es bei KHS USA jedoch mit dem Know-how zu weiteren Maschinen aus dem KHS-Portfolio?

Dass unsere Servicetechniker »mit allen Wassern gewaschen sind«, versteht sich von selbst. Permanente Schulungen und Trainingseinheiten, die unter anderem in den deutschen KHS-Werken stattfinden, halten sie auf dem Laufenden. Ebenso perfekt geschult ist unsere Vertriebsmannschaft. Jeder Vertriebsmitarbeiter verfügt bei KHS USA neben generellem Maschinen- und Anlagen-Know-how über umfassendes Spezialistenwissen in einem fixierten Segment wie beispielsweise Füll-, Reinigungs-, Keg-, Verpackungs- oder auch Etikettiertechnik. Was immer ein Getränkehersteller zu ordern beabsichtigt – er kann sich also absolut sicher sein, dass er von KHS-Experten beraten und betreut wird.

Lässt sich dieses Spezialistenwissen sowohl für die Brauereien als auch für die Hersteller alkoholfreier Getränke und die Wein-, Sekt- und Spirituosenbranche voraussetzen?

Selbstverständlich. Wir sind in sämtlichen Bereichen der Getränkeindustrie firm und mit ihnen allen äußerst stark verbunden. Nach wie vor ist die Brauindustrie das größte Standbein von KHS USA. Ob Braugruppen wie AB InBev und SABMiller oder auch Craft Breweries wie New Belgium­ – sie alle zählen seit langer Zeit zu unserem Kundenstamm. Was den Part Füll- und Prozesstechnik angeht, halten wir im Brauereisektor einen Marktanteil von 60 Prozent. Im Bereich karbonisierte alkoholfreie Getränke liegt unser Marktanteil bei 35 Prozent. Stark vertreten sind wir auch im Wassersegment. Bottler wie Silver Springs bekennen sich nicht nur klar zu KHS-Technik, sondern auch deutlich zu den Vorteilen von KHS-Turnkey-Projekten. Gerade in den letzten Jahren werden unsere technischen Lösungen zudem immer stärker im Weinbereich nachgefragt. Betrachtet man allein die letzten vier Jahre, betrug unser Marktanteil in der Weinbranche bei den Neuinvestitionen 80 Prozent. Unter anderem zählen hier Weinkellereien wie Gallo und Sutter Home zum KHS-Kundenstamm.

Sie sprachen eben an, dass KHS in den USA auch das Se­gment der Craft Breweries für sich entdeckt hat. Mit welchen technischen Lösungen und wie schätzen Sie die weiter­ gehende Entwicklung der Craft-Breweries-Szene ein?

Meiner Meinung nach lässt sich die rasante Entwicklung der Craft Breweries nicht aufhalten. Diese Brauereien setzen bewusst auf den Slogan »Bier braucht Heimat« und liefern den Konsumenten mit ihren unterschiedlichsten und immer wieder neuen Bierideen ein kreatives Feuerwerk an Geschmackserlebnissen, das ankommt. Craft Breweries vereinen in den USA mittlerweile ca. 7 Prozent der Bierabsätze und etwa 10 Prozent der Bierumsätze auf sich. Diese Prozentsätze werden meiner Ansicht nach auch in Zukunft steigen. Unter anderem auch, weil es die Craft Breweries geschafft haben, Bier für Amerikaner wieder als reines Naturprodukt verständlich zu machen. Bei KHS USA haben wir uns frühzeitig Gedanken dazu gemacht, wie wir Craft Breweries einerseits unterstützen und andererseits von deren Wachstum mit profitieren können. Hier entwickelten wir sowohl die Idee zu einem Mikrofüller für kleine und mittelständische Brauerei-Betriebe als auch die technische Lösung – selbstverständlich in Zusammenarbeit mit dem KHS competence Center Fülltechnik in Deutschland. Unser neues Füllsystem Innofill Glass Micro verfügt nun über sämtliche technologischen Vorteile aus dem Hochleistungsbereich und das kommt bei den Craft Breweries hervorragend an. Unter anderem auch, weil wir dieses Produkt in den USA für den US-Amerkanischen Markt fertigen. Mittlerweile haben wir dort bereits acht Stück davon verkauft.

Abgesehen von dem Trend zu Craft Breweries – welche weiteren Bewegungen nehmen Sie derzeit im US-Getränkemarkt wahr und welche Entwicklungen sehen Sie hier in Zukunft auf die Getränkebranche zukommen?

Deutlich feststellbar ist ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten. Das bedeutet auch, dass kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke aufgrund ihres hohen Zuckergehalts eine rückläufige Entwicklung erleben. Gleichzeitig wächst der Wasserkonsum und der Verbrauch an alkoholfreien Getränken, die einen Gesundheitsnutzen kommunizieren, darunter beispielsweise isotonische Getränke, Teegetränke oder auf Milch basierende Getränke. Interessant ist auch, dass Wein bei jungen Erwachsenen immer populärer wird. Was das Thema Gebinde angeht, sehe ich vor allem im von PET-Flaschen dominierten Bereich der alkoholfreien Getränke einen zunehmenden Trend hin zu kleineren Flaschenvarianten. Statt der Family-Serve- die Single-Serve-Kunststoff-Flasche – so lautet hier die Devise. Außerdem gewinnt das Thema Lightweighting von PET-Flaschen eine größere Bedeutung. Sowohl im Bereich alkoholfreier Getränke als auch bei Bier bleibt die Dose meiner Meinung nach ein gefragtes Gebinde. Zudem wird Glas den Bier- und selbstverständlich auch den Wein-, Sekt- und Spirituosenbereich weiter dominieren.

Das steigende Verbraucherinteresse am Konsum von hochpreisigen Craft Beers und Getränken mit
Ge­sundheitsnutzen lässt erkennen, dass Verbraucher in den USA immer mehr Wert auf Getränkequalität legen. Bedeutet das auch, dass Getränkehersteller ein steigendes Interesse an qualitativ hochwertigem Equipment zeigen?

Ja, das ist so – allerdings mit einem gewissen Nachlauf. Es dauert manchmal ein wenig, bis erkannt wird, dass für die kontinuierliche Herstellung bester Getränkequalität auch qualitativ besonders zuverlässiges Equipment benötigt wird. Die Zeit arbeitet hier ganz klar für Anbieter von qualitativ hochwertigen technischen Lösungen, die – und das ist ein weiterer wesentlicher Punkt – besonders nachhaltig agieren, und damit für KHS.

Das Hauptgeschäftsfeld von KHS USA ist die Getränkebranche. Gibt es denn Bestrebungen, die Zielgruppe zu erweitern? Welche weiteren Zielvorstellungen hat KHS USA für die Zukunft?

Unser oberstes Ziel lautet, unsere hohe Präsenz in der Getränkebranche durch die Bereitstellung qualitativ hervorragender technischer Lösungen weiter auszubauen. Zudem planen wir, Schritt für Schritt in neue Industriebereiche vorzustoßen. So bearbeiten wir zum Beispiel auch den Markt für Detergents, in dem spezifische Verpackungslösungen gefragt werden. Dabei kann uns in einigen Bereichen sicherlich ein dort durch unsere Pouchmaschinen bereits erworbener guter Ruf sehr hilfreich sein. Wir möchten uns allerdings auf keinen Fall verzetteln und stets sichergehen, dass wir unserem hohen Anspruch an Technik und Servicequalität in jedem Segment perfekt Rechnung tragen.

Herr Zuzok, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

»Von der soeben sehr erfolgreich beendeten Craft Brewers Con­ference in Denver (8. bis 11. April) bis zur Pack Expo in Chicago reicht der diesjährige weit­gespannte Messeauftritt von KHS USA. Bei den Craft Brewers bekamen unsere innovativen Micro-Füller, aber auch unsere Keg- und Verpackungstechnologie extrem hohe Auf­merksamkeit.«

Auf diesen 2014 noch ausstehenden wichtigen Messen in den USA präsentiert sich KHS mit Innovationen, bewährter Technologie und viel Know-how:

  • 05.06. bis 07.06., MBAA Conference (Chicago)
  • 01.11. bis 05.11., PACK EXPO International (Chicago)

Ihr Ansprechpartner zu dem Thema

Christian Wopen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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